Radfahren - aber sicher!

Tipps von Radfahrern für Radfahrer zur Sicherheit im Straßenverkehr

Immer wieder wird behauptet, Radwege dienten der Sicherheit der Radfahrer. Tatsächlich fühlen sich sehr viele Menschen sicherer, wenn sie auf Radwegen statt auf der Fahrbahn fahren. Zumindest scheinbar ist ein gewisser Abstand zum Autoverkehr vorhanden. Wie sicher sind Radwege aber tatsächlich? Unfalluntersuchungen ergaben, dass sich auf Radwegen mehr und vor allem bedeutend schwerere Unfälle ereignen als auf Fahrbahnen. Verursacht werden solche Unfälle vor allem dadurch, dass sich das Verkehrsgeschehen außerhalb der Fahrbahn nicht im unmittelbaren Blickfeld der Kraftfahrer befindet.

Häufig vorkommende Gefahren auf Radwegen sind z.B.

  • Kraftfahrzeuge: abbiegende bzw. aus Einmündungen oder Ausfahrten herausfahrende LKW und PKW
  • unaufmerksame Fußgänger, Hunde und deren Leinen
  • Radfahrer, die in der falschen Fahrtrichtung fahren
  • Unebenheiten aller Art, die die Gefahr schwerer Stürze in sich bergen
  • Glassplitter, Müll und andere scharfkantige Gegenstände, die zu Reifenpannen führen können
  • Hindernisse: Reklametafeln, Verkehrsschilder, parkende Autos und anderes mehr
  • mangelhaft gesicherte Baustellen

Viele dieser Gefährdungen lassen sich durch Benutzung der Fahrbahn vermeiden bzw. kommen dort einfach nicht vor. Insbesondere ist der Sichtkontakt zwischen Radfahrer und Kraftfahrer gewährleistet, so dass Radfahrer auf der Fahrbahn rechtzeitig von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werden. Sicherheitsmängel von Radwegen sind prinzipbedingt und selten durch bessere Bauweise bzw. Instandhaltung behebbar. Radwege sind Sonderwege, sie vereinen die Eigenschaften erhöhte Gefährdung, schlechte Bauausführung und mangelhafte Wartung, kurzum:

Radwege sind Wege zweiter Klasse.

Nachfolgende Grafik (Quelle: Wikipedia, Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://de.wikipedia.org/wiki/Radverkehrsanlage) zeigt die Risikofaktoren in bestimmten Fahrtrichtungen auf Radwegen im Vergleich zur Fahrbahn:

Relatives Unfallrisiko auf Radwegen an Kreuzungen

Der ADFC Norden rät allen Radfahrern:

Radfahrer sind, insbesondere dann, wenn sie gemeinsam mit Kraftfahrzeugen auf der Fahrbahn fahren, Verkehrsteilnehmer mit gleichen Rechten, aber auch gleichen Pflichten. Falsches Verhalten, Unaufmerksamkeit, aber auch technische Unzulänglichkeiten am Fahrrad können nur allzu leicht zu schweren Unfällen führen.

1. Sicher fahren

Sie fahren ein Fahrzeug, d.h. Sie sind ebenso Verkehrsteilnehmer wie Auto- oder Motorradfahrer. Mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt auch für Radfahrer, insbesondere die Regeln für

  • Vorfahrt
  • Straßenbenutzung durch Fahrzeuge/Rechtsfahrgebot
  • Verkehrszeichen und Signale
  • Abbiegen, Wenden und Einordnen in den fließenden Verkehr
  • Verhalten an Fußgängerüberwegen und Haltestellen

2. Radwege meiden

Straßenbegleitende Radwege müssen Sie nur dann benutzen, wenn sie durch eines der folgenden Verkehrszeichen gekennzeichnet sind:

Zeichen 237
Zeichen 240
Zeichen 241

Bei Radwegen, die nicht durch die o.g. Vorschriftszeichen gekennzeichnet sind, dürfen Sie zwischen Fahrbahn und Radweg wählen. Auch benutzungspflichtige Radwege müssen Sie nicht benutzen, wenn sie absolut unzumutbar bzw. überhaupt nicht befahrbar sind. Dies ist z.B. der Fall, wenn

  • Autos auf Radwegen parken oder andere Hindernisse einen Radweg blockieren
  • kein Winterdienst erfolgte bzw. Schneehaufen auf die Auffahrt geschoben wurden
  • sich Baustellen auf dem Radweg befinden. In diesem Fall dürfen Sie auch dann auf die Fahrbahn ausweichen, wenn die Baustelle mit Zusatzschild "Radfahrer absteigen" beschildert wurde.

Wenn Sie auf Radwegen fahren müssen, so tun Sie das auf Grund der genannten Gefahren besonders vorsichtig. Rechnen Sie an jeder Kreuzung bzw. Einmündung damit, dass neben Ihnen ein Auto oder ein LKW fährt, dessen Fahrer Sie beim Abbiegen übersieht! Schauen Sie vor jeder Querung von Seitenstraßen kurz nach beiden Seiten und schräg nach links hinten, ob sich Ihnen ein Fahrzeug nähert.

3. Gehwege sind tabu

Fahren Sie grundsätzlich nicht auf Gehwegen. Sie gefährden damit sich selbst und Fußgänger. Gehwege sind für Radfahrer ebenso gefährlich wie Radwege. Nicht umsonst schreibt die StVO für Kinder bis zu 8 bzw. 10 Jahren vor, dass sie an jeder Kreuzung bzw. Einmündung absteigen und schieben müssen. Genau dort lauern die Gefahren!

4. Links fahren und rechts überholen ist (fast immer) verboten

Fahren Sie niemals auf Radwegen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Die einzige Ausnahme, wo dies sogar vorgeschrieben ist, sind so genannte Zweirichtungsradwege. Überholen Sie niemals rechts. Einzige Ausnahme: Radfahrer dürfen auf dem rechten Fahrstreifen wartende Fahrzeuge rechts mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht überholen, wenn ausreichender Raum vorhanden ist.

5. Ausreichend Abstand zum rechten Fahrbahnrand

Halten Sie auf der Fahrbahn einen Mindestabstand (ca. 80cm) zum Bordstein ein. Die Spur, auf der die Autos mit ihren rechten Rädern entlangfahren, ist eine gute Richtlinie. Auch wenn es ein Widerspruch zu sein scheint: Sie vermeiden so, mit unzureichendem Abstand überholt zu werden.

6. Eindeutig und berechenbar fahren

Andere sollen Sie sehen und Ihre Absichten einschätzen können. Abbiegen, Anhalten, Spurwechsel und andere Fahrmanöver gehören angekündigt und berechenbar gestaltet. Plötzliche, unangekündigte Richtungswechsel verbieten sich von selbst.

7. Mit Fehlern anderer rechnen

Rechnen Sie damit, dass andere Verkehrsteilnehmer Fehler machen, aber geben Sie dennoch deutlich zu erkennen, dass Sie Ihre Rechte kennen.

8. Regelmäßige Überprüfung des Fahrrades

Insbesondere folgende Teile Ihres Rades sollten regelmäßig auf Funktionsfähigkeit überprüft werden:

  • Bremsen: Belag auf Abnutzung, Bowdenzüge auf Verschleiß, Gesamtsystem auf Bremswirkung und leichte Bedienbarkeit
  • Beleuchtung: Birnen vorn/hinten, Verkabelung, insbes. Masseverbindungen
  • tragende Teile (Rahmen, Gabel, Lenker, Sattelrohr) auf Risse, Deformierung, lose Schrauben u.a.m.
  • sichere Befestigung von Schutzblechen, weil sie die Räder blockieren können
  • Antrieb: Kette, Pedale, Kettenblatt, Ritzel, Schaltung insbesondere auf Abnutzung

Im Zweifelsfall sollten Sie die Überprüfung einer Fachwerkstatt überlassen.

Zur Rechtslage

Ausschnitte aus der Straßenverkehrsordnung (StVO) mit Kommentaren

§ 2 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge

"(1) Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte. Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der Fahrbahn."

Das gilt für alle Fahrzeuge d.h. auch für Radfahrer.

"(2) Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit."

Diese Vorschrift bedeutet nicht, dass Radfahrer auf dem Rinnstein fahren müssen! Ausreichend Platz zum Ausweichen, wenn z.B. Fußgänger plötzlich die Fahrbahn betreten bzw. zum Umfahren von Hindernissen steht auch Radfahrern zu.

"(4) Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren; nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Eine Benutzungspflicht der Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung besteht nur, wenn Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ allein angezeigt ist. Radfahrer dürfen ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und Fußgänger nicht behindert werden. ..."

Hieraus ergibt sich die Radwegbenutzungspflicht bei Vorhandensein entsprechender Verkehrszeichen. Die Verkehrszeichen müssen an jeder Seitenstraße erneut vorhanden sein, da aus Seitenstraßen kommende Radfahrer andernfalls nicht erkennen können, ob der betr. Radweg benutzungspflichtig ist oder nicht. Steht nach einer Kreuzung oder Einmündung keines der o.g. Schilder mehr am Radweg, dürfen Sie zwischen Fahrbahn oder Radweg wählen. Zugleich enthält diese Bestimmung das strikte Verbot des Fahrens auf Radwegen auf der linken Seite der Fahrbahn. Die einzige Ausnahme - so genannte Zweirichtungsradwege - wird durch eine Sonderbestimmung geregelt. Insgesamt muss die Benutzungspflicht von Radwegen heute als nicht mehr zeitgemäß betrachtet werden. Die entsprechende Bestimmung ist eine der wenigen Relikte, die aus der Nazizeit in die aktuelle StVO übernommen wurde.

"(5) Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen, ältere Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Auf Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen. Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen."

Hieraus ergibt sich, dass nur Kinder auf Gehwegen fahren dürfen, für Jugendliche und Erwachsene ist dies grundsätzlich verboten.

§ 3 Geschwindigkeit

"(1) Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht. Er hat seine Geschwindigkeit insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie seinen persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. ..."

Diese Bestimmung kann fast immer gegen Radfahrer angewandt werden, die auf schadhaften Radwegen stürzen bzw. ihr Rad beschädigen. Nur wer im Schritt-Tempo auf Radwegen "fährt", hat gewisse Chancen, nachweisen zu können, dass seine Geschwindigkeit den Gegebenheiten der meisten Radwege "angepasst" war.

§ 5 Überholen

"(1) Es ist links zu überholen."
"(8) Ist ausreichender Raum vorhanden, dürfen Rad Fahrende und Mofa Fahrende die Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen."

Radfahrer dürfen zwar auf dem rechten Fahrstreifen wartende Fahrzeuge rechts mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht überholen, wenn ausreichender Raum vorhanden ist. Daraus folgt aber keinesfalls, dass ein Kraftfahrer gehalten ist, nach Möglichkeit rechts ausreichenden Platz für überholende Radfahrer zu lassen.

Rad- und Mofafahrer dürfen Fahrzeuge, die auf einer Linksabbiegespur warten (z. Bsp. vor einer Lichtzeichenanlage), nicht rechts überholen.

§ 45 Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen

"(9) Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen sind nur dort anzuordnen, wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend geboten ist. Abgesehen von der Anordnung von Tempo 30-Zonen nach Absatz 1c oder Zonen-Geschwindigkeitsbeschränkungen nach Absatz 1d dürfen insbesondere Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs nur angeordnet werden, wenn auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der in den vorstehenden Absätzen genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt. ..."

Von Rechtsexperten wurde festgestellt, dass allein auf Grund dieser Bestimmung die Anordnung der Benutzungspflicht für die meisten Radwege rechtswidrig ist. Ohne den Nachweis, dass sich die Zahl der Unfälle durch einen Radweg deutlich verringert, dürfte nach dieser Bestimmung kein Radweg benutzungspflichtig sein bzw. gemacht werden.

Quellen: Öffnet externen Link in neuem FensterStVO


Vielen Dank dem Autor Chr. Maercker (ADFC Magdeburg), der diese Informationen im Internet zur Verfügung gestellt (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.med.uni-magdeburg.de/~maercker/Radw-Tip.htm) und für weitere Nutzung und Veröffentlichung freigegeben hat.

Aus der genannten Veröffentlichung übernommen am 28. Juni 2011 und fortlaufend ergänzt und angepasst.

© 2018 ADFC Kreisverband Aurich

ADFC Mitglied werden
ADFC "Deutschland per Rad entdecken"
ADFC ReisenPLUS
ADFC Bett+Bike
GeoLife.de - Das Freizeitportal der LGN